Der Content-Wahn: Sprechen Sie schon SEO?

Schlechtes SEO ist Gift fürs  Content Marketing Kennen Sie das: Auf einigen Webseiten lesen sich die Texte irgendwie komisch. Die Grammatik stimmt, aber durch viele Füllwörter wirkt der Satzbau eigenartig. Der Text ist wie aufgebläht. Ein Beispiel:

Es gibt in den Weiten des Internets mittlerweile so viele Artikel über die Wichtigkeit von Online Kontakt-Netzwerken, dass darüber eigentlich keine Zweifel mehr bestehen sollten.

Ok, nochmal lesen und verstehen. Was will dieser Satz sagen!? „Man ist sich im Internet einig, dass Social Media wichtig ist.“ Das ist etwa der gleiche Inhalt, nur verständlicher und weniger als die der Hälfte der Wörter. Doch warum sollte man einen Satz oder Text so aufblähen und ihn leserunfreundlich gestalten? Es gibt zwei Ursachen für diesen “SEO-Sprech” und die haben beide mit dem Wunsch nach viel Content zu tun.

Der Content-Wahn

Viele Webseitenbetreiber sind sich mittlerweile im Klaren, dass man Besucher nur mit Inhalten auf die Webseiten locken kann. Dafür benötigt man viel Text, der von Suchmaschinen aus verschiedenen Gründen bestmöglich platziert wird. Die Suchmaschinen-Gurus predigen daher: Für eine gute Platzierung im Suchergebnis braucht ihr Content, viel Content. Doch woher nehmen, wenn nicht stehlen? Man kann selbst im Unternehmen und mit der eigenen PR-Agentur viele Themen selbst in Worte fassen. Doch häufig sind sogenannte Contentagenturen oder Textbroker das Mittel der Wahl. Sie sollen maßgeschneiderte Texte für jedes Thema liefern. Damit lassen sich Webseiten und Blog schneller mit vermeintlich guten Texten befüllen.

Das ist die erste Ursache für viele schlechte Texte: Oftmals werden Autoren nach Wörtern oder Zeichen bezahlt. Sie erhalten mehr Geld für längere Texte. Kein Wunder, wenn Inhalte aufgebläht werden, um mehr Geld zu verdienen. Dabei wird oft sogar auf Bindestriche in zusammengesetzten Substantiven verzichtet. Jedes Wort zählt, die Texter rechnen ja nach Quantität ab, nicht nach Qualität. Also weniger gute Texte, aber viel Inhalt. Viele Agenturen winken diese Texte durch und veröffentlichen sie. Meist in der Hoffnung auf eine bessere Platzierung im Suchergebnis von Google.

Optimierter Text für Mensch oder Maschine?

Natürlich entscheidet erstmal eine Maschine nach einem Algorithmus, welche Webseite auf welchem Rang im Suchergebnis angezeigt wird. Dafür glaubt man an Kennzahlen: mindestens 300 Wörter pro Seite sollten es sein und der Suchbegriff sollte in semantischer Abwandlung mehrfach vorkommen. Das ist dann Ursache Nummer zwei: So werden Texte oftmals, um eine Mindestanzahl an Worten zu erreichen, mit Füllwörtern erweitert. Oder es werden auf Biegen und Brechen verschiedene Synonyme in den Text eingearbeitet, die z.B. ein WDF/IDF-Algorithmus vorgeschlagen hat. Die Lesbarkeit solcher Texte nimmt durch SEO-Maßnahmen aber selten zu. Der Dumme ist dann natürlich der Leser. Er quält sich durch Texte, die nicht leserfreundlich sind. Dabei werden Texte am Bildschirm praktisch vom Leser nur “gescannt”. Hier sind kürzere und prägnante Texte von Vorteil, ansonsten geben die Leser schnell entnervt auf.

Da aber die Verweildauer auf einer Webseite für Google ein wichtiges Kriterium ist, erreicht man mit schnell flüchtenden Lesern genau das Gegenteil eines guten Rankings. Das Ziel muss also sein, die Besucher mit spannenden Inhalten möglichst lange auf der Webseite zu halten. Mit halbautomatisch erstellten oder am wie Fließband geschriebenen Texten wird das auf Dauer nicht gelingen.

Der “SEO-Sprech” – Woran erkenne ich schlecht gemachte Texte?

  • häufige Wiederholungen eines Worts oder Wortgruppe
  • semantische Fehler wie ”Kopfschmerz Stirn” statt “Kopfschmerzen in der Stirn”
  • fehlende Bindestriche in Substantivkomposita wie “Luxus Uhr” statt “Luxusuhr”
  • ungewöhnliche viele Links im Fließtext
  • häufige Synonyme und komplizierte Umschreibungen
  • ungewöhnlich lange Nebensätze

Meine Meinung: Besucher mit guten Inhalten auf die eigenen Seiten zu locken, ist oft das Ziel von Content Marketing. Aber viel und schnell erzeugter Inhalt liefert dazu keinen Beitrag! Weniger ist mehr – lieber Qualität als Quantität. Es muss nicht jeden Tag ein neuer Beitrag im Unternehmensblog sein. Dafür aber Texte, die Spaß am Lesen machen. Die dem Leser das geben, was er sucht. Legen Sie weniger Wert auf Kennzahlen, sondern auf den Mehrwert und Lesefluss. Und wenn man Contentlieferanten beauftragt, dann lieber etwas tiefer in die Tasche greifen und bitte: Finger vom Text-Spinning vorhandener Texte!

Jost

Veröffentlicht von

Fünf Jahre war ich als Pressesprecher beim Öko-Energieversorger WEMAG erster Ansprechpartner für Journalisten und habe Blogs, yotube- und Twitter-Kanäle betreut, ebenso wie Kundenmagazine. Aktuell betreue ich die WEMAG-Tochter ReeVOLT! Freiberuflich bin ich als Berater, Keynote-Speaker, Autor und Blogger aktiv. Gelegentlich trifft man mich auf Kommunikationstagungen, beim DJV oder bdew. Hier schreibe ich aus meinem beruflichen, privaten und kreativen Alltag. Meine Social-Media Profile wie z.B. Google+ sind oben verlinkt.

2 Kommentare » Schreibe einen Kommentar

  1. Sehr geehrter Herr Broichmann,

    vielen Dank für Ihren interessanten Artikel. Mir fällt leider auch zunehmend auf, dass das Sprachniveau und die Qualität des Inhalts auf vielen Internetseiten auf Grund der SEO-Problematik abnimmt. Was wohl Goethe davon halten würde? ;)

    Beste Grüße

    Marcel Förster

  2. Danke für diesen Beitrag! Als Journalist bringt das Lesen von allzu holprigen Internet Texten mit vielen Substantivierungen und ordentlich SEO Wort Müll meine Nackenhaare zur Sträubung. Aber Spaß beiseite: Auch ich bin ein Fan von Texten für Menschen. Wenn man es zu Ende denkt, ist auch Google dieser Meinung; lediglich die Algorithmen setzen das (noch) nicht perfekt um. Ich hatte Thema auch kürzlich in meinem Blog: “Sehr geehrter Roboter”

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